Hochbau, Tiefbau, Scheiße bauen…
Die Geschichte der Frauenbewegung ist eine Geschichte voller großer Siege und einiger weniger, bitterer Niederlagen. die vielleicht bitterste und schmerzlichste ist die McDonalds-Niederlage.
Als McDonalds vor ein paar Jahren den länglichen McChicken und den länglichen McRib auf einmal rund machten, war Zivilcourage gefragt. Es regte sich Unmut im Volk. Selbst Mitarbeiter der FastFood-Kette äusserten in persönlichen Gesprächen ihr Unverständnis für die Umformung. Und dann war da ja noch die Stabilitäts-Frage des internationalen Friedens basierend auf der Theorie der McDonaldisierung für den Fall das randalierende aufgebrachte Konsumenten kurzzeitig eine Filiale ausser Betrieb setzen.
(Exkurs: Die Theorie der McDonaldisierung basiert auf der Annahme dass Nationen in deren Hauptstadt sich eine McDonaldsFiliale befindet keinen Krieg gegeneinander führen. Ähnlich der Theorie des demokratischen Friedens, die etwas komplexer ist. )
Die Schlacht fand allerdings geschlechterdifferenziert statt. War der McRib der Inbegriff eines Männerburgers, so befriedigte der McChicken die Bedürfnisse der modernen Frau (damals gab es noch nicht den Chicken-Burger), sprich lang, knusprig und mit weißer Soße .
Die Schlacht ging allerdings auf der ganzen Spur verloren. Der McRib wurde wieder in die alte Form zurückversetzt, der McChicken ist weiterhin rund. Während die weltweite Männlichkeit sich gegen den Weltkonzern erhob und ihn in die Knie zwang, versagten die Frauen mit ihrem Anliegen. Schlimmer noch wiegt die Tatsache dass Frauen wie Heidi Klum auch noch Werbung für das Unternehmen machten und damit über die Verliererinnen lustig machte.
Ebenso werden sich die Gewinner der Volksabstimmung über den Finanzierungsausstieg zu Stuttgart 21 nun lustig machen über die Verlierer. Warum? Weil es inzwischen normal ist.
Dabei ist das absolut Beste an Stuttgart 21 seine demokratische Breite. Jeder hat ne Meinung und alle haben irgendwie recht. 2020 soll das Ding fertig werden und bis dahin wird man von allen Seiten immer mal wieder hören: “Ich habs euch doch gesagt!” Natürlich wird das Ding teurer als der bisherige Kostendeckel. Natürlich werden wir alle die Zeche bezahlen und Geld, das anderweitig gut angelegt wäre in Bildung und anderem, eben nun für einen neuen Bahnhof aufwenden. Recht haben am Ende aber auch die Befürworter, weil hübsch wird das ganze sicher auch irgendwie werden. Natürlich wird es während der Baumaßnahmen zu ein paar Komplikationen kommen, dazu kommt es doch irgendwann immer. Aber gelegentlich wird sicher auch mal ein Zug pünktlich kommen. Am Ende haben alle recht. Es ist ein schönes, teures Großprojekt bei dem nun alle mitreden konnten.
Die letzten beiden Volksabstimmungen (19.8.1934 und 9.12.1951) an denen alle Baden-Württemberger an die Wahlurnen treten durften endeten übrigens beide mit “Ja” (Ja zur Ämterfusion von Reichskanzler, damals Hitler, und Reichspräsident, damals offen, und Ja zur Landes-Fusion zu Baden-Württemberg), so daß mit einem “Nein” dieses mal ein Trend abgewendet werden konnte. Man munkelt die Menschen hätten bei ihrer “Nein” Entscheidung vor allem daran gedacht was die letzten beiden “Ja”-Entscheidungen zur Konsequenz hatten. Die Wahlbeteiligung (1934: 99%, 2011: 48,3%) hat selbstverständlich drastisch nachgelassen.
In diesem Sinne wird nun eben gebaut und hin und wieder geht man als Frau nun zu BurgerKing, denn da gibt es noch ein langes Baguettebrötchen mit Huhn.
